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Hasspredigten zerstören Reisebranche

Der Jemen ist ein Land der tiefen Widersprüche: Mit seiner reichen Geschichte und atemberaubenden Architektur könnte er ein Reiseziel sein, doch kämpft er heute ums Überleben. Der Bürgerkrieg zerriss die Nation und brachte diese unter die Herrschaft militanter Gruppen.

Die Arte-Reportage «Jemen: Die Wut der Huthi» liefert einen seltenen Blick in dieses abgeschottete Territorium.

Das Huthi-Kontrollgebiet: Ein Großteil der Bevölkerung

Die Huthi-Bewegung (Ansar Allah) kontrolliert den bevölkerungsreichsten Teil des Jemen. Schätzungen zufolge lebt bis zu 70% der jemenitischen Bevölkerung in den von den Huthi beherrschten Gebieten, einschließlich der Hauptstadt Sanaa.

Obwohl dies militärisch gesehen nur etwa ein Drittel der gesamten Landesfläche ausmacht, umfasst es immerhin die zentralen politischen und historischen Zentren. In diesen Gebieten haben die Huthi eine totalitäre Herrschaft errichtet, die von tief verwurzelter Propaganda und religiös-politischer Indoktrinierung gestützt wird.

Hasspredigt als Tourismus-Killer

Das Video zeigt die omnipräsente Ideologie der Huthi. Diese basiert auf ihrem zentralen Slogan: „Gott ist groß! Tod den USA! Tod Israel! Verdammt seien die Juden! Sieg dem Islam!“

Dieser extreme Hass, der von klein auf indoktriniert wird und sich auch in den jüngsten Angriffen auf die internationale Schifffahrt auf dem Roten Meer manifestiert, steht in direktem Gegensatz zu jeglicher Vorstellung von Tourismus.

Abschreckung und Gefahr: Kein Reisender kann in ein Land reisen, in dem die herrschende Macht westliche Mächte und Israel als Todfeinde erklärt und aber gleichzeitig Muslims davon ausnimmt. Die Angriffe auf Handelsschiffe erhöhen die globale Wahrnehmung vom Jemen als Kriegsgebiet und keineswegs als potenzielles Reiseziel.

Meiner Meinung nach bräuchte das arme Land dringend die Einnahmen eines gesunden Tourismus: einerseits für Devisen und andererseits, um die Welt besser zu verstehen. Die Priorität der Huthi liegt jedoch nicht auf der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Frieden, sondern auf der ideologischen Konsolidierung der Macht.  Mit Hass wird mobilisiert, verängstigt und der Jemen isoliert.

Ist ein funktionierender Jemen möglich?

Die Hoffnung auf einen funktionierenden Jemen hängt von komplexen regionalen und innerjemenitischen Kompromissen ab. Während die Huthi ihre Wut gegen die USA und Israel richten, war seit 2015 die Saudisch geführte Militärkoalition der Hauptakteur der Luftangriffe im Jemen. Die Huthi ignorieren oder verharmlosen diese Hauptverantwortung für die Zerstörung im Land zugunsten einer geopolitischen Erzählung, die ihre Feinde im Westen und in Israel sieht.

Regionale Deeskalation: Der wichtigste Fortschritt erweist sich im direkten Dialog zwischen den regionalen Hauptakteuren Saudi-Arabien und Iran. Der Jemen-Konflikt muss von seinem Status als Stellvertreterkrieg entkoppelt werden. Jede nachhaltige Friedenslösung wird scheitern, solange die Huthi vom Iran unterstützt werden und die Saudis keinen Rückzug garantieren.

Ein funktionierender Jemen kann wahrscheinlich nur als föderaler oder konföderaler Staat wiederhergestellt werden. Diese Struktur müsste den regionalen und Stammesbedürfnissen Rechnung tragen und eine faire Verteilung von Ressourcen und Macht garantieren. Dies ist die realistischste Form eines künftigen jemenitischen Staates.

Eine vollständige Wiederherstellung einer zentralisierten Regierung erscheint daher unmöglich.

Fazit über Zukunft

Die Wut und der Hass, die im Norden gepredigt werden, sind ein Bollwerk gegen jede Normalität und somit gegen den Reisetourismus. Ein geeinter, friedlicher Jemen entpuppt sich derzeit als Wunschtraum.

Quishar: wärmendes Erbe aus den Hochlanden des Jemen

Quishar (oder Qishr) ist mehr als nur ein Aufgussgetränk – es ist ein tief verwurzelter Bestandteil der jemenitischen Gastfreundschaft und Kaffeekultur. Es ist ein Symbol der Wärme und des friedlichen Beisammenseins, auf das die Menschen im Jemen in besseren Zeiten hoffen.

Dieser traditionelle Aufguss, gewonnen aus den getrockneten Schalen der Kaffeekirsche (bekannt als Cascara) und einer reichhaltigen Gewürzmischung, erinnert uns an die tiefen kulturellen Schätze und die Fähigkeit zur Gastfreundschaft, die das jemenitische Volk trotz aller Widrigkeiten auszeichnen.

Kulturelle Hintergründe: Das Erbe von Mokka und die Hoffnung auf Frieden

Der Jemen gilt als die Geburtsstätte des kommerziellen Kaffeeanbaus und des Kaffeehandels. Der historische Hafen von Mokka (al-Muchā) war einst das Zentrum des globalen Kaffeehandels. In diesen friedlicheren Epochen nutzten die Jemeniten die gesamte Kaffeefrucht:

  1. Ökonomie und Nachhaltigkeit: Die Nutzung der Schalen war und ist eine pragmatische Tradition, um kein Teil der wertvollen Ernte zu verschwenden.
  2. Sozialer Anlass: In Zeiten des Friedens wird Quishar traditionell nach dem Essen, bei Familientreffen oder als Geste der tiefen jemenitischen Gastfreundschaft serviert. Es ist bekannt für seine belebende, aber sanftere Wirkung als starker, gerösteter Kaffee.
  3. Die Quishar-Formel: Das Besondere am jemenitischen Quishar ist die Zugabe von Ingwer und Zimt. Diese Gewürze verleihen ihm eine scharfe Wärme, die perfekt zu den oft kühlen Abenden in den Hochlandregionen wie Sana’a passt.

👃 Geschmacksprofil und das traditionelle Rezept

Das komplexe Geschmackserlebnis von Quishar erinnert an die Fülle und Vielfalt des Landes:

  • Basis: Die Kaffeekirschenschalen (Cascara) sorgen für eine fruchtig-süße Note, die an Hagebutte oder Kirsche erinnert.
  • Wärme: Der frische Ingwer verleiht ihm eine angenehme, scharfe Schärfe.
  • Tiefe: Zimt und manchmal Kardamom runden den Geschmack ab.

🍵 Traditionelles Quishar-Rezept (Für eine Verkostung zu Hause)

Bitte betrachten Sie die Zubereitung dieses Getränks als einen Akt des kulturellen Austauschs und der Solidarität mit den Menschen des Jemen.

ZutatMenge (für 4-6 Tassen)Hinweis
Getrocknete Cascara/Kaffeekirschenschalen4 EL (ca. 20-25 g)
Wasser1,2 Liter
Frischer Ingwer3-4 dünne ScheibenGut waschen, nicht schälen
Zimtstange1 mittelgroße Stange
Zucker/HonigNach GeschmackOptional

Zubereitung:

  1. Zusammenfügen: Alle Zutaten in einen Topf geben und das Wasser hinzufügen.
  2. Köcheln lassen: Die Mischung langsam zum Kochen bringen und dann die Hitze reduzieren. Lassen Sie den Quishar mindestens 15–20 Minuten sanft köcheln, um die Gewürzaromen vollständig zu entfalten.
  3. Servieren: Vom Herd nehmen, nach Geschmack süßen, durch ein feines Sieb abgießen und in kleinen Tassen oder Gläsern servieren.

👉 Hoffnung auf ein sicheres Reiseland

Wenn die Friedenszeiten zurückkehren und die Sicherheit im Jemen wiederhergestellt ist, wird das Quishar in den Gassen von Sana’a und in den Terrassen von Haraz wieder ein herzliches Willkommen signalisieren. Bis dahin können wir durch die Bewahrung dieser Tradition die Erinnerung an die Schönheit des Jemen wachhalten.


Jedoch Cascara können Sie immer mehr in Europa finden

Jemen leidet unter US-Angriffen

Ein Angriff auf eine Einrichtung für Migranten im Nordjemen löste international Bestürzung aus. In der Provinz Sa’da wurden nach Angaben von Hilfsorganisationen und laut Medienberichten dutzende afrikanische Geflüchtete getötet oder verletzt. Die Vereinten Nationen zeigen sich davon „zutiefst beunruhigt“. Der Vorfall verdeutlicht erneut, wie sehr die jemenitische Zivilbevölkerung unter dem anhaltenden Konflikt leidet.

Schwere Vorwürfe nach Luftschlägen

Laut Berichten von Reuters, BBC und Al-Masirah-TV wurde in der Nacht auf Sonntag eine Flüchtlingsunterkunft in Sa’da bombardiert. Dabei kamen mindestens 68 Menschen ums Leben, darunter viele Geflüchtete aus Äthiopien und Somalia. Weitere dutzende Personen wurden verletzt. Videoaufnahmen zeigten dramatische Szenen von den Trümmern, aus denen Erste-Hilfe-Leistende Tote und Verletzte bargen.

Die jemenitische De-facto-Regierung unter der Bewegung Ansarullah (oft auch als „Huthis“ bezeichnet) sprach von einem gezielten Luftangriff und warf den USA Kriegsverbrechen vor. Das US-Zentralkommando (CENTCOM) erklärte in einer Stellungnahme, dass man Berichte über zivile Opfer sehr ernst nehme und betonte, Angriffe würden nur auf Basis fundierter Geheimdienstinformationen durchgeführt. Unabhängige Untersuchungen darüber stehen noch aus.

Migration unter lebensgefährlichen Bedingungen

Erneut wirft der Vorfall ein Schlaglicht auf die extrem gefährliche Migrationsroute, die jährlich tausende Menschen aus Ostafrika durch den Jemen in Richtung Golfstaaten führt. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) beschreibt sie als „einen der gefährlichsten Migrationskorridore der Welt“. Allein 2024 starben bereits über 500 Menschen bei der Überfahrt über das Meer oder Durchquerung des Jemen.

Im Fokus steht neben der humanitären Tragödie auch die wirtschaftliche Dimension: Aufgrund von Krieg und Sanktionen sind viele staatliche Strukturen im Jemen geschwächt. Berichte mehren sich, dass bewaffnete Gruppen, darunter auch die Ansarullah, von Transitgebühren oder durch Erpressung von Migranten profitieren. Diese Einnahmen werden nun möglicherweise gezielt durch militärische Maßnahmen unterbunden.

Friedliche Perspektiven für den Jemen?

Der zehnjährige Krieg im Jemen hat unermessliches Leid verursacht, zerstörte die Infrastruktur und stürzte das Land in eine der weltweit schlimmsten humanitären Krisen. Gleichzeitig bleibt die Hoffnung, dass der Jemen eines Tages wieder ein friedliches Land sein kann – mit offenen Grenzen, internationaler Zusammenarbeit und auch Tourismus.

Der Jemen besitzt eine der reichsten Kulturlandschaften der arabischen Welt: Antike Städte wie Sana’a (und hier) oder Schibam, die legendären Weihrauchrouten, faszinierende Wüstenlandschaften – darunter eine der schönsten hier – und gastfreundliche Menschen. Frieden und Stabilität würden dem Land nicht nur Sicherheit ermöglichen, sondern auch neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen – darunter auch Ansätze für verantwortungsvollen Tourismus.

Möge bald jener Tag kommen, an dem Reisende den Jemen wieder sicher entdecken dürfen – und ihre Besuche zur Versöhnung und zum Wiederaufbau beitragen.


Die Links innerhalb des Textflusses führen zu den entsprechenden Orten auf der Weltkarte, entsprechend näheren Beschreibungen und zu den entsprechenden Websites mit näheren Angaben.


Was hast du hinter dir gelassen?

Das Buch von Bushra Al-Maktari «Was hast du hinter dir gelassen» erzählt die Geschichte vom Krieg anhand von Gesprächen mit Betroffenen. Es sind Zivilisten, die dem Krieg zum Opfer fallen. Einen vergessenen Krieg, wo kein Ende zu sehen ist, denn die Kriegsparteien können sich bereichern und die Rüstungsindustrie macht ihre Geschäfte.

Frau Alt-Maktari ist durch das Land gereist, dorthin wo Menschen umgebracht worden sind und hat mit ihnen gesprochen, über das Leid. Ein Leid, dass verarbeitet werden muss. Es ist ein Morden, dennoch helfen sich die Menschen gegenseitig.

Waffen töten, über die Kriege wird wenig berichtet und noch weniger über die Hintergründe. Die Geschichten zeigen das brutale Vorgehen der Kriegsparteien auf. Nach der Lektüre schätzen wir den Frieden viel mehr.

Das Buch wird im Econ Verlag von Constantin Schreiber in der deutschen Übersetzung herausgegeben
Buch: Was hast du hinter dir gelassen

Drachenblutinsel Sokotra

Die Internetzeitung Republik schreibt immer wieder zu Themen, die abseits vom Mainstream sind. Heute habe ich einen Artikel gefunden zu Sokotra, einer Insel, die nur wenig Berührungspunkte mit den Jemen hat. Diese wäre touristisch interesant und die Emirate mischen sich in die Geschicke der Insel.

Sokotra liegt 300 km vom Festland im Arabischen Meer und Teil einer kleinen Inselgruppe mit drei weiteren Inseln, zwei davon sind unbewohnt. Erfreuen Sie sich an den Artikel, er zeigt eine Welt, die fremd ist und neugierig macht.

Drachenblutinsel Sokotra